Das Jagdschloß und seine Geschichte
Biegt man die Auffahrt zum Jagdschloß Hubertusstock hinauf, so wird man linkerhand von einem kapitalen, röhrenden Hirschen begrüßt. Er ist aus Bronze und seit den "Gründerjahren" 1847-1849 das Wahrzeichen von Hubertusstock.
Das Jagdschloß wurde im Auftrag von König Friedrich Wilhelm IV., zu Ehren seiner Frau, einer Tochter Maximilians I. von Bayern, im Stile eines bayerischen Landhauses errichtet.
Die Legende besagt, dass er einst jagdmüde seinen Stock in den Boden stieß und sprach: "Hier soll es entstehen". Der Jagdstock, auch Hubertusstock genannt, sollte dem neuen Gebäude den Namen geben: "Jagdhaus am Hubertusstock".
Es war ein schlichtes, zweigeschossiges Gebäude mit umlaufender Holzgalerie und weit überstehendem Satteldach. Den einzigen Schmuck bildeten außen zahlreiche Hirschgeweihe. Das Jagdhaus wurde später als Schloss bezeichnet, weniger wegen seines Aussehens als vielmehr wegen seiner repräsentativen Funktion.
Mit dem Regierungsantritt Wilhelms I. entwickelte sich die bescheidene Anlage zu einem Zentrum prunkvoller höfischer Jagden und einem Ort politischer Gespräche und Verhandlungen. Dies setzte sich unter dem besonders jagdbesessenen Kaiser Wilhelm II. fort. Zur besseren Erreichbarkeit von Hubertusstock ließ der Kaiser 1898 den Bahnhof Werbellinsee (Kaiserbahnhof) errichten. Zahlreiche Gedenksteine, wie der zum Abschuss des 100. und des 1000. edlen Hirsches, erinnern heute noch an den Monarchen, der mit eigener Hand 47.443 Stück Wild, darunter 2.133 Hirsche, erlegt haben soll.
Während der Novemberrevolution war Hubertusstock für mehrere Wochen Nationaleigentum. 1926 ging es von der Krongutsverwaltung in den Besitz des preußischen Staates über. Die Repräsentanten der Weimarer Republik, wie Reichspräsident Friedrich Ebert und von Hindenburg, kamen ebenfalls hierher zur Jagd.
Auch in der Zeit des Nationalsozialismus war Hubertusstock ausschließlich hohen Würdenträgern aus Politik und Gesellschaft vorbehalten.
1945 wurde das Jagdhaus Eigentum der Brandenburgischen Landesregierung und diente dem Ministerpräsidenten als Landsitz. 1952 übernahm es das Ministeriums des Inneren und bis 1971 war es ein Erholungsheim für leitende Angestellte, vor allem hohe Offiziere der Kasernierten Volkspolizei und später der Nationalen Volksarmee.
In den Jahren 1971 bis 1973 wurde das renovierungsbedürftige Jagdhaus bis auf die Grundmauern abgerissen und danach, mit deutlicher Anpassung an den alten Baustil, wieder aufgebaut. Auch der alte Wirtschaftsbau musste weichen. Statt dessen entstanden vier zweigeschossige Gästebungalows mit Flachdach sowie ein Mehrzweckgebäude mit Schwimmbad, Sauna, Sporträumen und Schießstand.
Nach dem Umbau und der Modernisierung war es bis 1990 Gästehaus der DDR-Regierung und beherbergte bekannte Persönlichkeiten der deutschen und internationalen Politik.